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Krankes Gesundheits-System?

Kommentar

Christoph Steiner

Die Diskussionen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene zum Thema Kostendämpfung im Gesundheitswesen sind endlos. Sämtliche bisher unternommenen Massnahmen gegen eine Kostenexplosion haben mehrere 100 Millionen Franken jährlich eingespart – das scheint dem Ehrgeiz unserer Politiker nicht zu genügen. So hat der schweizerische Bundesrat in der vergangenen Woche weitere Massnahmen zur Kosteneindämmung der Krankenkassenprämien beschlossen.

Neben weiteren rigorosen Massnahmen im Arzt-und Spitalbereich soll der Vertriebsanteil von Medikamenten weiter gekürzt werden und ein Referenzpreissystem eingeführt werden. Dies bedeutet paradoxerweise, dass insbesondere der Druck auf die preisgünstigeren Generika erheblich zunehmen würde. Die Protestwelle einer breiten Allianz des schweizerischen Apothekerverbandes, Pharmalog und Intergenerika sowie GSASA, VGUA, IFAK und der IG Pharma KMU scheint auf den ersten Blick logisch und riskiert, unter dem Titel «Besitzstandwahrung » unter den Tisch gewischt zu werden. So weit die Fakten.

Nur wenige Exponenten im Gesundheitswesen scheinen wirklich verstanden zu haben, wo das Grundproblem liegt. So zum Beispiel Sven Bradke, Geschäftsführer von APAPatientenapotheke: «Billig ist nicht immer gut – besonders wenn es um die Patientensicherheit geht.»

Unser Gesundheitssystem ist nicht billig – ist dies falsch oder ist dies schlicht die Folge von höchsten Qualitätsstandards, die wir letztlich gewollt haben? Wäre nicht vielmehr über eine Leistungsexplosion (hauptsächlich im Spitalbereich!) als über eine Kostenexplosion zu debattieren ?

Der Sparzug rollt indessen unaufhaltsam weiter. Unwichtig, dass Schliessungen von Arztpraxen für Allgemeinmedizin und Apotheken bereits ein bedrohliches Ausmass angenommen haben – mit klaren Folgen für die Grundversorgung und für die Patienten.

Der Glaube an eine Kostensenkung durch Wegrationalisierung von Leistungserbringern ist allerdings ein Irrglaube, dem jede wirtschaftliche Grundlage fehlt. Sämtliche im Moment noch ausgezeichnet funktionierenden Dienstleistungen eines Allgemeinpraktikers oder einer Apotheke müssten ersetzt werden – und ob dies Kosten einsparen würde, bleibt äusserst fraglich.

Alternativ liessen sich erheblich kompetenter Kosten einsparen – etwa durch konsequente Erreichung von Therapietreue, Verhinderung von Medikamentenabfällen oder wirkungsvollere Anreize zur Förderung der Generikaabgabe.

Zu bedenken ist überdies, dass institutionalisierte Wucherpreise im schweizerischen Gesundheitsmarkt kommentarlos geduldet werden , wie zum Beispiel der zehnfach überteuerte und kartellverdächtige Preis von Finasterid 1 mg ( BaZ vom Juli 2017). Interessiert dies nur deshalb niemanden, weil dieses Medikament von der Krankenkasse nicht übernommen wird?

Die Patienten fühlen sich in solchen Situationen betrogen und hilflos. Anliegen, die kaum einen Politiker in der Schweiz zu beschäftigen scheinen. Nachzudenken lohnte sich aus dieser Perspektive wohl eher, als Publikumsapplaus mit unausgegorenen Mitteln zur Kostendämpfung erzwingen zu wollen.

Christoph Steiner ist Apotheker, Inhaber und Leiter der Holbein-Apotheke in Basel.