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Hydroxychloroquin und Tiefpreispolitik

Kommentar

Kommitee

Wie die Tiefpreispolitik die Markteinführung eines Hydroxychloroquin-Generikums in der Schweiz verhindert hat.

Seit dem Ausbruch der Coronaviruserkrankung Covid-19 werden verschiedene Medikamente an Patientinnen und Patienten getestet. Eines dieser Arzneimittel ist das alte Malariamedikament Hydroxychloroquin (Plaquenil®, Auto-Generikum: Hydroxychloroquin Zentiva®), das antivirale, entzündungshemmende und immunmodulierende Effekte zeigt. Entsprechend hoch ist aktuell die Nachfrage.

Doch genau solche Medikamente, deren Patente schon lange ausgelaufen sind, werden in der Schweiz einem starken Preisdruck ausgeliefert.

Unsere Recherchen zeigen, dass die Mepha Pharma AG in der Schweiz ein Hydroxychloroquin-Generikum lancieren wollte. Ein Medikament, das jetzt während der Coronakrise zur Versorgungssicherheit beitragen könnte. Die Zulassung wurde bereits erteilt und liegt vor. Aber das Pharmaunternehmen musste vorerst auf die Markteinführung verzichten.

Der Grund liegt in der Tiefpreispolitik für Arzneimittel in der Schweiz. Die jährlichen Reduktionen und gesetzlichen Regelungen führen zu Preisen, welche sich für die Unternehmen nicht mehr rechnen.

Der Fabrikabgabepreis von Plaquenil® beträgt aktuell Fr. 3.77 für 30 Tabletten. Der Publikumspreis liegt bei Fr. 8.45. Insider vermuten, dass damit kaum Gewinn erwirtschaftet wird. Ein Generikum muss noch günstiger angeboten werden.

Die vom Staat verordneten Tiefpreise haben dazu geführt, dass in der Schweiz in den vergangenen Jahren viele ältere, bewährte Arzneimittel vom Markt verschwunden sind, weil sich der Vertrieb nicht mehr lohnt.

Es sind Produkte, welche von vielen Patientinnen und Patienten dringend benötigt und geschätzt werden und die nicht beliebig durch andere ersetzt werden können.

Die aktuelle Tiefpreispolitik gefährdet die Arzneimittelversorgung und die Arzneimittelvielfalt in der Schweiz. Ein Richtungswechsel ist dringend erforderlich.

Quelle: PharmaWiki.ch